Interview mit Ricco Wolf

Interview mit Ricco Wolf

Wenn man sich rund um den HC Erlangen bewegt, trifft man früher oder später auf Ricco Wolf. Nicht laut, nicht aufdringlich – sondern präsent. Jemand, der da ist, zuhört, organisiert, vermittelt. Ich habe Ricco in Erlangen schon mehrfach getroffen, wir haben immer wieder Gespräche geführt – mal zwischen Tür und Angel, mal etwas länger. Und jedes Mal bleibt das Gefühl: Hier spricht jemand, der den Verein nicht nur managt, sondern lebt.

Ricco ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Und vielleicht genau deshalb einer der wichtigsten Menschen im täglichen Gefüge dieses Clubs ist. Er kennt die Abläufe, die Menschen, die Sorgen – und oft auch die kleinen Geschichten, die nach außen gar nicht sichtbar sind. In Gesprächen wirkt er offen, ehrlich und angenehm. Einer, bei dem man merkt: Es geht ihm nicht nur um Strukturen und Organisation, sondern um Vertrauen, Zusammenhalt und ein gutes Miteinander.

Dieses Interview ist deshalb kein klassisches Frage-Antwort-Spiel über Tabellen, Spieltage oder Prozesse. Es ist ein Gespräch auf Augenhöhe. Über Verantwortung, Nähe, Emotionen – und darüber, was es bedeutet, Tag für Tag für ein Team da zu sein. Für die Spieler, für den Staff, für den Verein. Und manchmal auch einfach für den Menschen neben einem.

1. Wann hattest du zuletzt einen Moment, in dem du gemerkt hast: Jetzt bin ich gerade mehr Kümmerer als Manager – und was war da los?

Ich glaube das ist fließend. Ein Manager ist immer Kümmerer, weil er versucht alles zusammen zu halten und zu organisieren. Vielleicht nur als kleine Anekdote. Als damals Daniel Mosindi zu uns kam war es sehr schwierig eine Arbeitserlaubnis zu bekommen und ich habe mich fast zwei Jahre darum „gekümmert“ damit das funktioniert hat. Auch aktuell ist sowas ständig präsent. Zum Glück habe ich da über Jahre hinweg genügen Verbindungen aufgebaut um das zu erleichtern.

2. Welche Fähigkeit braucht man als Teammanager unbedingt, obwohl sie in keiner Jobbeschreibung auftaucht?

Ein sehr gutes Netzwerk und wahnsinnig viel Phantasie, um Probleme zu lösen. Dazu kommt auch, das einem immer zum richtigen Moment eine Lösung einfällt. Natürlich darf man auch nicht schüchtern sein.

3. Gab es bei dir in Erlangen einen Augenblick, in dem du dachtest: Genau deshalb mache ich diesen Job – auch wenn es gerade stressig war?

Diese Momente gibt es ständig. Zusammenhalt und Dankbarkeit sind da die wichtigsten Triebmittel, um immer mehr zu geben denn „ The only easy day was yesterday“. Der einzige leichte Tag war gestern.

4. Wenn Spieler oder Kollegen sagen würden: „Typisch Ricco“ – was meinst du, würden sie damit beschreiben?

Das überlasse ich dann mal lieber den Kollegen, aber ich glaube das mir immer ein Spruch einfällt und nix unmöglich ist. Geht nicht gibt’s nicht.

5. Was hilft dir persönlich, in einem emotionalen Handball-Alltag ruhig und klar zu bleiben?

Klappt nicht immer, aber manchmal reicht es an Ritualen festzuhalten.

6. Was war die ehrlichste oder beste Kritik, die du in deiner Zeit beim HC Erlangen bekommen hast?

Da ich jetzt schon so lange beim HC Erlangen bin, wird es schwierig da eine spezielle zu benennen. Außer die Kritik von Carsten (Carsten Bissel, Aufsichtsratsvorsitzenden) war es immer unser Cheftrainer Johannes der knallhart ist.

7. Stell dir vor, du wärst für einen Tag einfach Fan und nicht Teil des Vereins: Worüber würdest du dich am meisten freuen – und worüber würdest du dich aufregen?

Freuen würde ich mich, das ich endlich mal ein Spiel entspannt anschauen kann und nix verpasse. Ärgern würde ich mich, wenn das Spiel verloren geht und ich keinerlei Einfluss bzw. Trost spenden kann.

8. Welche Entscheidung in deinem Job hat sich sachlich richtig angefühlt, war für dich aber emotional trotzdem enorm schwer?

Ganz besonders schwer ist es immer, wenn Spieler ausscheiden, aus welchem Grund auch immer. Sei es Karrierende, wie bei Niko Link. Johannes haben wir ja zum Glück noch behalten und natürlich wenn Trainer entlassen werden, mit denen man menschlich gut zurechtgekommen ist.

9. Was überrascht neue Spieler oder Mitarbeiter am meisten, wenn sie den HC Erlangen hinter den Kulissen kennenlernen?

Ich glaube wie professionell wir aufgestellt sind und weil wir nicht nur die Mannschaft wachsen lassen, sondern auch das Know-how drum herum. Auch der Teamgeist, den wir im Moment haben spielt eine wichtige Rolle.

10. Wenn du einem Menschen erklären müsstest, warum Teammanager beim HC Erlangen kein klassischer Schreibtischjob ist – welche Geschichte würdest du erzählen?

Es ist überhaupt kein Schreibtischjob.
Meistens erledige ich genau diese Arbeit im Whirlpool oder in meinem Lieblingsrestaurant. Klassisch am Schreibtisch sitze ich selten. Ich bin im Training mit dabei, um zu unterstützen und beim Spiel für die Statistik hinter bzw. auf der Bank. Ich betreue das Trainingslager und helfe aktiv wo ich kann. Natürlich gibt es auch die Zeit, wo Absprachen mit unserem Sponsor Adidas getroffen werden müssen und die Ausrüstung für die nächste Saison kalkuliert werden muss. Auch Transfers für Spieler oder Absprachen mit Partnern gehören dazu.
Es ist also ein sehr dynamischer Job, bei dem man viel unterwegs ist.

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