1. Was sind Momente, in denen du froh bist, dass dich gerade niemand als „Handballprofi“ erkennt?
Ich bin grundsätzlich stolz darauf, als Handballprofi erkannt zu werden – das gehört dazu und ist auch eine Wertschätzung. Aber besonders in der sportfreien Zeit, im Urlaub oder wenn ich ein paar Tage bei meiner Familie verbringe, genieße ich es, einfach nur ich selbst zu sein. In diesen Momenten möchte ich abschalten, den Kopf freibekommen und nicht in der Rolle des Profis stecken.
2. Gab es einen Mitspieler, Trainer oder sogar Gegner, der dich menschlich stärker geprägt hat als sportlich – und warum?
Es gab nicht die eine prägende Person, sondern vor allem der eigene Weg durch alle Stationen – von der dritten Liga bis nach oben – hat mich menschlich geprägt. Dabei habe ich gelernt, dass unabhängig von Verein oder Liga das Menschliche immer im Vordergrund steht: Wir spielen alle aus Liebe zum Sport, aus Leidenschaft und Freude am Handball. Dieser gemeinsame Nenner hat mir viel über Werte, Teamgeist und Zusammenhalt vermittelt.
3. Wann hast du zuletzt gemerkt, dass dich etwas emotional mehr beschäftigt als ein verlorenes Spiel?
Verluste im Spiel sind zwar schmerzhaft, vor allem wenn man alles gegeben hat, aber emotional berühren mich vor allem unerwartete Dinge im Leben. Wir leben unseren Traum und haben ein schönes Leben – wenn dann unvorhergesehene Ereignisse passieren, beschäftigen sie mich deutlich mehr als ein verlorenes Spiel.
4. Gibt es eine Seite an dir, die im Profisport kaum Platz hat – die dir aber extrem wichtig ist?
Ich schätze meine ruhige und entspannte Seite, die im Profisport kaum Platz hat – und das ist auch gut so. Sie wird vor allem in der Freizeit wichtig, als Ausgleich zur Arbeit und zur Regeneration. Im Profi-Alltag steht Leistung im Vordergrund, und die ruhigeren, entspannteren Momente machen das Leben außerhalb des Sports besonders wertvoll.
5. Was bringt dich ins Grübeln, wenn abends alles ruhig ist und kein Training, kein Spiel, kein Lärm mehr da ist?
Wenn abends Ruhe einkehrt, beschäftige ich mich oft mit dem, wofür ich außerhalb des Spielfelds einstehe: die Zukunftsfähigkeit des Sports, Projekte, Popularität und Aufmerksamkeit für den Handball. Es geht darum, Ideen zu entwickeln, Ziele voranzubringen und etwas zu bewirken. Gleichzeitig versuche ich, dass diese Gedanken nicht überhandnehmen, damit auch die Freizeit wirklich erholsam bleibt.
6. Welche Unsicherheit trägst du schon lange mit dir herum, obwohl viele denken, du wärst total gefestigt?
Ich denke jeder hat gewisse Unsicherheiten wo viele im ersten Moment überrascht sind. Auch ich hab die. Ich weiß aber meist genau, woran ich arbeiten muss und wie ich sie angehen kann. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass man nicht alles allein lösen muss und dass es völlig in Ordnung ist, Hilfe von anderen anzunehmen.
7. Wann fühlst du dich am weitesten weg von dem Jungen, der du früher warst – und wann ganz nah bei ihm?
Ich fühle mich dem Jungen, der ich früher war, am weitesten entfernt, wenn ich heute im Rampenlicht stehe – früher war ich nie jemand, der im Mittelpunkt stehen wollte. Ganz nah bei meinem jüngeren Ich bin ich, wenn ich bei der Familie bin, dort dann in meinem alten Kinderzimmer schlafe und dann beim spazieren gehen der Fußball mit rausgeholt wird. Diese Augenblicke sind besonders wertvoll.
8. Was verletzt dich schneller: sportliche Kritik oder persönliche Enttäuschungen?
Persönliche Enttäuschungen treffen mich deutlich stärker als sportliche Kritik. Kritik auf dem Spielfeld kann je nach Quelle unterschiedlich wiegen – von Fans weniger, vom Trainer schon mehr – aber damit kann ich umgehen. Persönliche Enttäuschungen bleiben emotional länger im Kopf.
9. Gibt es eine Entscheidung in deinem Leben, bei der du heute manchmal denkst: „Die hat mich mehr verändert als jedes Spiel“?
Besonders prägend waren Entscheidungen, die zunächst negative Erfahrungen mit sich brachten, aber genutzt wurden, um daran zu wachsen. Auch frühe Schritte wie mit 12 von zu Hause auszuziehen oder für den Handball in eine neue Umgebung zu ziehen, haben mich menschlich stark verändert – oft mehr als jedes einzelne Spiel.
10. Was gibt dir Halt, wenn du merkst, dass du gerade mehr funktionierst als wirklich fühlst?
Wenn ich merke, dass ich mehr funktioniere als wirklich fühle, gibt mir mein privates Umfeld Halt: Familie, enge Freunde und vertraute Gespräche helfen mir, wieder zu mir selbst zu finden.
11. Wenn du einen Tag komplett ohne Erwartungen verbringen könntest – ohne Leistung, ohne Rolle – wie würde der aussehen?
Ein perfekter Tag ohne Erwartungen würde für mich entspannt beginnen, lange ausschlafen, Zeit mit meiner Freundin und unserem Hund verbringen. Idealerweise draußen – in den Bergen oder am Meer – oder einfach zu Hause, mit gutem Essen. Solche ruhigen Momente sind ein bewusster Ausgleich zu unserem außergewöhnlichen Leben als Profisportler.
12. Stell dir vor, ein Fan trifft dich zufällig im Supermarkt. Woran würdest du hoffen, dass er merkt: „Der ist eigentlich ganz normal geblieben“?
Ich glaube, Handballer wirken ohnehin bodenständig und nahbar. Ich muss nicht hoffen, dass Fans das merken – mein Auftreten und der Umgang mit ihnen spiegeln das sowieso wider. Es zeigt, dass ich trotz Profirolle normal geblieben bin und nicht abgehoben wirke.
13. Was denken die Leute oft über dich, das so einfach nicht stimmt?
Dadurch, dass ich im Bereich Social Media und Content neue Wege gehe, denken manche vielleicht, sie müssten das bewerten oder kritisch sehen. Was genau, ist mir aber ehrlich gesagt egal. Ich verfolge damit klare Ziele und möchte Dinge verändern. Wer das negativ sieht, hat oft nicht die eigentliche Intention dahinter verstanden.