Ich habe Philipp Ahouansou über einige Jahre vor allem aus einer Perspektive erlebt: von der Tribüne, vom Spielfeldrand, aus der Distanz, aus der man Spieler beobachtet, wenn sie unter Druck stehen. In entscheidenden Phasen, nach Siegen, nach Niederlagen, in Momenten, in denen Körpersprache oft mehr verrät als jedes Interview.
Man glaubt, jemanden zu kennen, wenn man ihn oft spielen sieht. Seine Gesten, seine Reaktionen, seine Art, Verantwortung zu übernehmen. Und doch bleibt zwischen dem, was man sieht, und dem, was man wirklich versteht, immer eine Lücke.
Mein Gespräch mit Philipp ist der Versuch, diese Lücke ein Stück zu schließen. Nicht über Tore und Statistiken, sondern über Herkunft, Entscheidungen, Zweifel und über das, was einen Menschen formt, lange bevor er Profi wird. Die folgenden Fragen richten sich an den Spieler, den viele kennen – und an den Menschen, den man bisher nur erahnen konnte.
1. Wenn du dein heutiges Leben jemandem beschreiben müsstest, der dich nur aus deiner Kindheit kennt – was würde ihn am meisten überraschen?
Wahrscheinlich, dass ich einen Hund habe. Früher hatte ich Angst vor Hunden könnte daran liegen das ich mal gebissen wurde nach dem mein Bruder einen Hund geärgert hat.
2. Was aus deiner Herkunft oder deiner Familie trägst du bis heute bewusst mit dir?
Meine extrovertierte Art und jeden Menschen so zu nehmen wie er ist.
3. Welche Phase deiner Laufbahn hat dich als Mensch stärker verändert als als Spieler?
Der Wechsel von den RNL zur HSG Wetzlar.
In diesen letzten 1,5 Jahren durfte ich vollends lernen was es heißt einen neun Abschnitt in seinem Leben zu starten. Vom komplett neuem Umfeld über Schwerer Autounfall bis zur Hochzeit und was es heißt Vater zu werden.
4. Welche Entscheidung in deinem Leben (sportlich oder privat) hast du nicht getroffen – und denkst trotzdem noch manchmal an sie?
Die meisten Entscheidungen die ich treffe sind für etwas, selten gegen. Somit kann ich sagen, dass ich so gut wie immer dahinter stehen was ich sage oder mache.
5. Wann hast du dich selbst einmal enttäuscht – und warum war das schwerer als jede Niederlage?
Jede Enttäuschung, kann das Ende einer Täuschung sein. Es macht meist den Weg frei für was gutes Neues.
Ein extra Training welches man aufschiebt, weil man die Zeit lieber vorm Fernseh verbracht hat kann einem die Erkenntnis bringen wie wertlos die Zeit war. Die bitterste Niederlage verbirgt meist ein Learning.
6. Was war der Moment, in dem du gemerkt hast: Jetzt lebst du wirklich deinen Traum – und was war der Preis dafür?
Es fing an mit dem Wechsel aufs Internat die Tatsache mit den besten zusammen zu spielen und der Reiz gewinnen zu wollen so stark wie dort habe ich es vorher noch nie gespürt. Das hat allerdings auch Schattenseiten wie z.b das man seine Freunde kaum noch sieht oder nie so wirklich frei entscheiden kann was übers Wochenende oder an „freien Tagen“ ansteht. Meinen Traum lebe ich jeden Tag Professionell Handball zu spielen, Tag für Tag Trainings und Spiele auf höchstem Niveau zu bestreiten.
7. Welche Angst begleitet dich bis heute, auch wenn du nach außen sehr souverän wirkst?
Angst ist für mich nur eine Frage der Zeit wie lange beschäftigt man sich mit Themen die einem „ Angst“ machen. Heute fühle ich mich frei von Ängsten. Einst war es vielleicht mal Angst krank zu werden aber heute weiss ich, dass man es selbst in der Hand hat was zu seiner Realität wird.
8. Wer war in deinem Leben der Mensch, der dich am meisten geprägt hat?
Meine Frau sie ist für mich ein besonderer Mensch, weil ich bei ihr immer so sein kann wie ich bin.
9. Wenn dieses Porträt in zwanzig Jahren jemand liest – was soll er über dich verstehen?
Wie wichtig der richtige Partner an deiner Seite sein kann und das man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann. Veränderung ist die einzige konstante im Leben. Wenn ich alles wie immer gemacht hätte wäre ich nicht der geworden der ich heute bin.