Interview mit Luka Rogan

Interview mit Luka Rogan

Manchmal verrät ein Spieler schon mit dem ersten Satz, wie er wirklich tickt. Bei Luka Rogan ist es nicht ein Tor, nicht ein Sieg, nicht der Blick auf die Tabelle – sondern seine Neugier. Der Wunsch zu verstehen, zu hinterfragen und an sich selbst zu arbeiten. Genau dort beginnt dieses Gespräch.

Luka spricht in unserem Interview nicht in Floskeln, sondern in Gedanken. Er erzählt von Momenten, in denen Handball vom Spiel zur Verantwortung wurde. Von stillen Routinen, die ihm Halt geben. Von Ungeduld, Selbstzweifeln und dem inneren Druck, den man von außen oft nicht sieht. Und von der Erkenntnis, dass gerade Niederlagen zeigen, wie tief die Verbindung zum Sport wirklich reicht.

Dieses Interview ist kein klassisches Gespräch über Leistung. Es ist ein ehrlicher Einblick in das Innenleben eines jungen Sportlers, der weiß, dass Entwicklung Zeit braucht – und der den Mut hat, genau das auszusprechen. Wer Luka zuhört, lernt nicht nur einen Handballer kennen, sondern einen Menschen, der seinen Weg bewusst geht.

1. Wenn wir dieses Interview nicht über Handball beginnen dürften: Mit welcher Eigenschaft von dir sollten wir starten, um dich wirklich zu verstehen?
Mit meiner Neugier. Ich hinterfrage Dinge gerne und reflektiere viel – vor allem mich selbst. Ich möchte verstehen, warum etwas funktioniert und wie man sich stetig weiterentwickeln kann. Diese Haltung prägt meine Entscheidungen und meinen Umgang mit neuen Herausforderungen.
 
2. Gab es einen Moment in deiner Karriere, in dem du gemerkt hast: „Ich denke gerade völlig anders über Handball als von mir verlangt wird“? Was hat das mit dir gemacht?
Am Anfang war Handball für mich einfach ein Spiel – so wie für die meisten Kinder. Es ging um Freude und Spaß am Spiel. Mit etwa 17 oder 18 Jahren habe ich dann realisiert, dass Handball mehr sein kann und dass ich davon leben kann. Dieser Moment hat meine Einstellung nachhaltig verändert. Ich wurde deutlich professioneller in allem, was ich tue, und habe begonnen, Training, Regeneration und Verantwortung bewusster wahrzunehmen.

3. Welche kleine, fast unsichtbare Gewohnheit im Alltag hat den größten Einfluss auf deine Leistung auf dem Feld?
Das Gebet. Ich nehme mir jeden Abend vor dem Schlafengehen ein paar Minuten Zeit dafür. Diese ruhige Phase gibt mir Kraft und innere Gelassenheit, die ich in den nächsten Tag mitnehme. Gerade im Leistungssport hilft mir das, fokussiert und ausgeglichen zu bleiben.
 
4. Angenommen, Handball wäre plötzlich keine Mannschafts-, sondern eine Einzelsportart: Welche deiner Stärken würde an Bedeutung verlieren?
Die Kommunikation auf dem Feld. Der Austausch mit meinen Mitspielern, das ständige Abstimmen und Unterstützen, ist ein wichtiger Teil meines Spiels. In einer Einzelsportart würde genau diese Stärke an Bedeutung verlieren, da sie davon lebt, gemeinsam Lösungen zu finden.
 
5. Welchen Fehler aus deiner frühen Karriere würdest du heute bewusst wieder machen – weil er dich stärker gemacht hat?
Meine Ungeduld. In jungen Jahren war ich oft unzufrieden mit meiner Rolle und wollte schneller mehr Verantwortung übernehmen. Das hat mich zwar gelegentlich unter Druck gesetzt, aber genau dadurch habe ich gelernt, härter zu arbeiten, geduldig zu bleiben und mir meinen Platz Schritt für Schritt zu erkämpfen.
 
6. Wenn ein junger Spieler dein Spiel kopiert, welche Eigenschaft sollte er nicht übernehmen?
Den Druck, den ich mir manchmal selbst mache. In bestimmten Situationen schaffe ich mir im Kopf unnötige Probleme, obwohl es dafür keinen äußeren Anlass gibt. Das gehört zu meinem Lernprozess, aber für junge Spieler ist es wichtig, mit mehr Leichtigkeit zu spielen und sich Zeit für ihre Entwicklung zu lassen.
 
7. Was ist etwas, das Trainer selten bewerten, das für dich aber Spiele entscheidet?
Das Engagement und die Körpersprache. Dinge, die man nicht in Statistiken sieht, die aber eine große Wirkung auf die Mitspieler haben. Wie man auftritt und wie man in schwierigen Momenten reagiert, überträgt sich auf das Team und beeinflusst am Ende auch das Ergebnis.
 
8. In welchen Momenten fühlst du dich auf dem Feld am verletzlichsten – mental, nicht körperlich?
Vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, der Mannschaft nicht genug geholfen zu haben. In Spielsituationen können mich auch Entscheidungen der Schiedsrichter, mit denen ich nicht einverstanden bin, innerlich unruhig machen. Genau in solchen Momenten ist es für mich wichtig, schnell wieder den Fokus zu finden und präsent zu bleiben.
 
9. Welche Wahrheit über dich selbst hast du erst durch Niederlagen im Handball gelernt – und wärst du ohne den Sport nie darauf gekommen?
 
Dass mir der Sport viel wichtiger ist, als mir ohne Niederlagen bewusst gewesen wäre. Erst durch Rückschläge habe ich verstanden, wie sehr mich Handball prägt und motiviert, weiterzuarbeiten und mich kontinuierlich zu verbessern.
 
10. Hinsichtlich des aktuellen Tabellenplatzes meine letzte Frage: Mit welchem Gedanken gehst du aktuell am häufigsten ins Training und ins Spiel?
Mein Fokus liegt darauf, jedes Training und jedes Spiel mit 100 Prozent anzugehen. Idealerweise gehe ich mit mehr aus einer Einheit heraus, als ich hineingegangen bin – indem ich aus jedem Training und jedem Spiel etwas Neues lerne. Unabhängig vom Tabellenplatz ist genau dieser Ansatz für mich entscheidend.
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