Interview mit Anton Voß

Interview mit Anton Voß
Manche Karrieren fühlen sich an wie ein perfekt geplanter Weg. Und manche wie eine Reise, bei der plötzlich alles ganz schnell geht. Bei Antwon Voß ist es genau diese Mischung: U19-Weltmeister, Profikader in Leipzig, Leihe nach Dresden – und mittendrin ein junger Mensch, der gerade lernt, mit Tempo, Erwartungen und großen Träumen umzugehen.
 
In meinem Gespräch mit Anton ging es mir vor allem um die kleinen Geschichten hinter dem Titel, um Zweifel, um Musik auf langen Zugfahrten, um das Leben zwischen zwei Mannschaften – und um die Frage, wie man das privat alles unter einen Hut bekommt.
 
Ich wollte wissen, wer Antwon Voß ist, wenn der Ball gerade nicht in der Hand liegt.
Und genau darüber spreche ich jetzt mit ihm.
1.Wenn du an diesen verrückten Abend nach dem U19-Titel denkst (mit Flug, Bahn und Überraschungsempfang in Leipzig), was war der seltsamste Moment, in dem du dachtest: „Okay, das fühlt sich gerade unreal an?“

Ich denke der Moment, an dem ich als erstes dachte es fühlt sich nicht real an, war erst am Folgeabend, als ich wieder zu Hause angekommen war und Zeit hatte, über alles nachzudenken. Erst dann habe ich rückblickend angefangen, alles zu verarbeiten und realisiert, wie voll allein die letzten 24h waren. Immerhin saß ich einen Tag vorher noch in Kairo auf meinem Hotelzimmer und habe mir ausgemalt wie es vielleicht laufen könnte, dann ist alles so schnell passiert, das hat sich surreal angefühlt. Es  war ein Adrenalinkarussell.

2.Und der lustigste oder untypischste „WM-Moment“, den kaum jemand mitbekommen hat – vielleicht etwas Abseits des Spielfelds?

Ich denke diesen einen typischen Moment kann ich gar nicht ausmachen. Es hat immer viel Spaß gemacht mit diesem Team und es gab viele schöne Momente, an die ich mich gerne zurückerinnere. Besonders gut drauf waren unsere beiden ägyptischen „Guides“. Sie haben immer beste Laune versprüht und für viele Lacher gesorgt.

3. Gibt es einen Song, den du auf der langen Heimfahrt nach dem Weltmeistertitel auf Dauerschleife gehört hast – und warum gerade der?

Nein, da gibt es keinen bestimmten Song, da in meinem Musikgeschmack so gut wie alles vertreten ist. Ich kann mich aber noch daran erinnern, dass über die Mannschaftsbox oft „Stand up for the Champions“ lief, selbsterklärend denke ich.

4. Hattest du schon einmal Zweifel, ob du diesem Tempo und diesem Druck wirklich gewachsen bist – und was hat dir in genau dieser Situation geholfen?

Ja, ich denke bei jedem Sportler können auch mal Zweifel entstehen. Dann hilft es mir einen Schritt zurück zu machen und das Gesamtbild zu betrachten. Schließlich besinne ich mich dann immer darauf, weshalb ich überhaupt angefangen habe, um die Leidenschaft des Handballspielens in vollen Zügen zu leben und zu genießen.
Ich finde es auch wichtig, dann mit Leuten darüber zu reden. Vor allem meine Freundin und Familie sowie engste Freunde bilden dann einen starken Rückhalt.

5. Wenn du deinen eigenen U19-WM-Triumph als Film zeigen würdest, welche Szene müsste unbedingt im Trailer sein?

Ich denke am besten für einen Trailer geeignet wäre eine angespannte Situation aus der Vorbereitung auf die WM oder enge Situationen im Turnierverlauf (um nichts vorweg zu nehmen).

Meine Lieblingsszene im Film wäre dann aber wahrscheinlich der Empfang am Bahnhof, der mich wirklich sehr überrascht hat. Ich konnte endlich mein liebstes Umfeld wiedersehen und alle haben sich für mich gefreut, dass hat mir sehr viel bedeutet.

6. Was hat dich als Teenager dazu gebracht, Handball statt irgendeiner anderen verrückten Sportidee (z. B. Basketball oder ähnliches) zu wählen?

Ich habe mit 4 angefangen Handball zu spielen, weil ich meinem großen Bruder nachgeeifert bin. Nicht mehr losgelassen hat mich dann das unglaubliche Teamgefühl, die Unberechenbarkeit, Schnelligkeit sowie taktische Vielfalt des Handballs.

7. Handball fordert extrem viel Zeit und Disziplin – wie schaffst du es, dein Privatleben damit in Balance zu halten, gerade in einer Beziehung?

Ich denke, dass es in erster Linie wichtig ist, sich seinen persönlichen Prioritäten und Zielen bewusst zu sein. Dann kann man seine Zeit effektiv darauf verwenden, diese zu verfolgen. Kann man das miteinander vereinbaren, dann ist man auch mit ganzem Herzen dabei und braucht nicht viel mehr Freizeit, außer natürlich zur Erholung bzw einfach mal abzuschalten vom Handball. Von meiner Freundin erhalte ich maximalen Support. Sie nimmt viel auf sich und macht auch viel möglich bzw. muss viele Abstriche machen. Und das weiß ich natürlich auch zu schätzen, denn ohne Kompromisse oder diese zusätzliche Unterstützung in vielen Situationen wäre vieles nicht möglich.

8. Du hast mit der U20-Nationalmannschaft schon wieder Lehrgänge – aber: Was ist die eine „nicht-handballbezogene“ Sache, die du dieses Jahr unbedingt noch machen willst?

Ich möchte dieses Jahr mein Abitur bestmöglich abschließen und neben dem Handball ein Studium beginnen um mich auch auf die Karriere nach der Karriere vorzubereiten;)

9. Du stehst jetzt auf zwei verschiedenen Feldern (Bundesliga-Profikader & Leihe beim HC Elbflorenz), wie würdest du deinen „Alltag als Pendler zwischen zwei Teams“ in einem Satz beschreiben?

Da ja noch die A Jugend und U23 in Leipzig dazukommen, ist es sehr sehr sehr sehr abwechslungsreich und man trifft auf viele verschiedene Charaktere mit denen es aber Spaß macht.

10. Wenn du dir selbst vor fünf Jahren eine Nachricht schicken könntest – ohne Worte, nur ein Bild –, welches Bild würdest du wählen? (Und was würde es ausdrücken?

Vor 5 Jahren hätte ich Handball niemals zu meinem Beruf machen wollen, es war „nur“ ein Hobby. Doch seit ich 2022 nach  Leipzig gegangen bin, hab ich ein ganz anderes Umfeld bzw Vorraussetzungen bekommen, meine Leidenschaft auszuleben. Seitdem gebe ich jeden Tag mein Bestes und bin unglaublich stolz und dankbar auf das, was ich mit meinen 18 Jahren schon geschafft habe.

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