1. Wenn du an deinen ersten Tag in Erlangen denkst – was hat dich am meisten überrascht, womit du gar nicht gerechnet hast?
Mich hat überrascht, dass es sich schon beim ersten Meeting mit dem Team so angefühlt hat, als wäre ich bereits länger dabei. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, wodurch die Eingewöhnungszeit kürzer war als gedacht.
2. Du hast in deinem jungen Leben ja schon einige Vereine erlebt – Gibt es etwas woran du dich besonders gern erinnerst?
Ich erinnere mich sehr gern an alle Standorte zurück, die ich bis jetzt erleben durfte. Überall hat man viel gelernt und unterschiedliche Erfahrungen gemacht, die mich sowohl als Spieler als auch als Mensch weiterentwickelt haben.Besonders in Erinnerung bleibt mir auch, dass ich vor meinem Wechsel nach Leipzig in Island gegen meinen Bruder in der Finalserie um die Meisterschaft gespielt habe. Die Serie ging sogar bis zum fünften und entscheidenden Spiel, das am Ende leider mein Bruder gewonnen hat.Ein weiterer besonderer Moment für mich war, als ich in der Bundesliga meinen ersten direkten Freiwurf erzielt habe.
3. Viele Spieler sagen, sie brauchen Rituale vor dem Spiel – was ist deine ungewöhnlichste „Beschäftigung“, bevor du aufwärmst und keiner deiner Teamkollegen davon weiß?
Ich dusche immer kalt, bevor ich mich auf den Weg zum Spiel mache. Ansonsten versuche ich, so wenige Rituale wie möglich zu haben. Ich weiß, dass sie dabei helfen können, dem Kopf zu signalisieren, dass es gleich losgeht, aber ich finde auch, dass sie die Gedanken manchmal unnötig beeinflussen oder stören können.
4. Handball ist dein Beruf – aber was würdest du machen, wenn du einen Monat lang keine Bälle, keine Spiele und kein Training hättest? Welche Leidenschaft würdest du verfolgen?
Ich würde viel im Grafikdesign machen. Also viel in Photoshop und Illustrator gestalten, zum Beispiel Poster oder andere Designs. Außerdem würde ich gern Filme oder Videos schneiden und bearbeiten.Was ich auch sehr gerne mache, ist Golf spielen. Ich muss mich zwar noch steigern, um sagen zu können, dass ich wirklich gut Golf spiele, aber es macht mir auf jeden Fall sehr viel Spaß.
5. Du bist als junger Spieler schon viel gereist und in verschiedenen Teams unterwegs gewesen – gibt es eine kleine Tradition, die du von zuhause (Island) mitgebracht hast und die du heute noch pflegst?
Eigentlich nein, keine besondere Tradition, die mir jetzt sofort einfällt. Eine Sache, die in Island aber sehr beliebt ist, ist das Baden gehen. Es gibt überall Schwimmbäder, die für alle zugänglich sind. Dort gibt es verschiedene Whirlpools, Saunen und Kältebecken. Die Whirlpools haben Temperaturen von etwa 39 °C bis 44 °C und die Kältebecken liegen zwischen 5 °C und 10 °C. Ich bin dort immer abwechselnd hinein gegangen.
Durch Ricco haben wir hier in Erlangen auch diese Möglichkeit, nämlich einen Whirlpool und ein Kältebecken. Das mag ich sehr und versuche es so oft wie möglich zu nutzen, weil es nicht selbstverständlich ist, dass wir diese Möglichkeit haben.
6. Gab es in deiner Karriere einen Mitspieler oder Trainer, der dich menschlich mehr geprägt hat als sportlich – und was hast du von ihm gelernt?
Sofort fällt mir Mo ein. Man kann menschlich sehr viel von Moritz Preuß lernen. Ich habe mich sehr gut mit ihm verstanden. Er war immer hilfsbereit, ist ein großartiger Mensch und natürlich auch ein sehr guter Handballer.Ansonsten gibt es so viele unterschiedliche Menschen und Charaktere, die man im Laufe der Zeit kennenlernt. Von jedem nimmt man etwas anderes mit, deshalb ist es schwer, nur eine Person besonders hervorzuheben.
7. In Leipzig stand dein Vater Rúnar als Trainer an der Linie – wie hat das euer Verhältnis außerhalb des Sports beeinflusst? Gibt es etwas, was du heute anders machen würdest?
Es gibt nichts, was ich anders gemacht hätte. Wir haben immer gesagt, dass wir das Privatleben und den Sport professionell voneinander trennen, und ich finde, das haben wir auch sehr gut hinbekommen.Natürlich gab es zu Hause nach dem letzten Spiel hin und wieder auch mal die eine oder andere kleine Handball-Lehrstunde, aber das war völlig in Ordnung. Wir sind beide einfach zu handballverrückt, um das immer komplett zur Seite schieben zu können.
8. Wenn deine Mitspieler dich neuen Spielern beschreiben müssten: Welche Eigenschaft würdest du dir wünschen, dass sie als Erstes nennen – und warum gerade diese?
Ich wünsche mir einfach, dass sie sagen, ich sei ein sehr guter Handballer, den sie unbedingt in ihrem Team haben wollen. Dafür trainiert man jeden Tag, um die beste Version von sich selbst zu werden.
9. Ein Teamkollege hat einmal gesagt, du sorgst für „viel Musik“ in der Kabine – wenn du einen Song als „offizielles Mannschaftslied beim HC Erlangen“ wählen könntest, welcher wäre das und warum?
Da muss ich ehrlich sagen, dass das Vereinslied des HC Erlangen – „Rot Blau HCE“ – eines der besten Vereinslieder ist, die ich bisher von einem Handballteam gehört habe. Deshalb würde ich es auf jeden Fall als Mannschaftslied beibehalten.Ansonsten würde ich „Dancing Queen“ von Jackets Revenge & Lissat wählen. Das ist der bekannte ABBA-Song „Dancing Queen“, aber als House-Remix. Das passt gut zum Team, weil wir eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern sowie jungen und hungrigen Spielern haben. Also ein Lied, das schon lange dabei ist, aber mit frischen Zutaten neu interpretiert wurde.
10. Du hast gesagt, dass du bewusst den Wechsel nach Erlangen wolltest – abseits von Spielzeit und Karriere: Welche kleinen persönlichen Ziele hast du dir hier gesetzt, die nicht mit Toren oder Siegen zu tun haben und hast du sie schon erreicht?
Man will sich natürlich überall wohlfühlen, und ich habe mich hier in Erlangen schon gut eingelebt. Ansonsten möchte ich mich einfach jeden Tag sowohl spielerisch als auch menschlich weiterentwickeln. Dafür muss man die entsprechende Arbeit investieren, und genau das versuche ich jeden Tag so gut wie möglich zu tun.
11. Stell dir vor, du könntest dem ganz jungen Andri einen Rat geben – was würdest du ihm sagen, was er über Handball oder das Leben wissen sollte?
Ich würde sagen, dass er immer er selbst bleiben sollte – auf und neben dem Feld. Außerdem würde ich ihm raten, hart zu arbeiten, denn diese harte Arbeit wird sich am Ende immer auszahlen.