Er kennt die Schlagzeilen, steht aber selten selbst im Mittelpunkt.
Frank Bleydorn ist einer von denen, die lieber Geschichten erzählen, als selbst zur Story zu werden. Seit vielen Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Sport, Medien und Kommunikation – in ganz unterschiedlichen Welten, mit ganz unterschiedlichen Menschen. Vom Boxsport über den Fußball bis zum Volleyball-Bundesligisten: Frank Bleydorn hat gelernt, dass hinter jeder Rolle, jedem Titel und jeder Pressemeldung vor allem Menschen stehen.
Doch wer ist Frank Bleydorn eigentlich jenseits von Jobtiteln und Funktionsbeschreibungen? Was bringt ihn zum Lachen, was hat ihn geprägt – und was sieht man ihm vielleicht gar nicht an? In meinem Interview mit Frank spreche ich nicht über Hochglanz-PR oder perfekte Botschaften. Sondern über ehrliche Momente, schräge Fragen, mutige Entscheidungen, Musik auf dem Weg zur Arbeit und darüber, was bleibt, wenn das Handy mal nicht klingelt.
Ein Gespräch über den Menschen hinter der Kommunikation – offen, persönlich und mit einem Augenzwinkern.
1. Spontan gefragt: Welche Nachricht hat dich in deinem Postfach in den letzten Wochen am meisten zum Schmunzeln gebracht – und warum?
Das war ganz sicher die Interviewanfrage von dir. Natürlich habe ich im Laufe meiner 25 Jahre, die ich im Sport tätig bin, schon über etliche Interviews rüber geschaut, sie freigegeben oder inhaltliche Fehler korrigiert. Und natürlich habe ich selbst mit zahlreichen Sportlern Gespräche und Interviews geführt. Aber ich selbst wurde nie darum gebeten. Insofern war das überraschend.
2. Du hast in sehr unterschiedlichen Sportarten und Vereinen gearbeitet – vom Boxsport über Fußball bis zum Volleyball-Bundesligisten. Gibt es eine Anekdote, die du nie vergessen wirst, weil sie dir gezeigt hat, wie unterschiedlich Menschen in Sport und Medien ticken?
Diese Unterschiede gibt es, keine Frage. Aber sie sind meiner Meinung nach nicht von den Sportarten abhängig. Ich habe mit Profibox-Weltmeistern, Fußballern, Volleyball-Spielern und -Spielerinnen, Handballprofis, Basketballern und Eishockey-Stars zu tun gehabt. Und der Umgang war fast immer von Respekt und Freude geprägt. Anders sieht es mittlerweile mit dem ein oder anderen Medienvertreter aus. In Zeiten knapper personeller Ressourcen und in einem Umfeld, in dem sich manche Redakteure nur noch mit Klickzahlen über Wasser halten müssen, werden immer häufiger Grenzen beim Zustandekommen von Nachrichten überschritten. Ich glaube, es schadet dem Sport, wenn nur das Haar in der Suppe sucht, um möglichst kritisch zu berichten. Klar, wenn etwas Negatives passiert, muss ich damit rechnen, dass darüber gesprochen wird. Doch es gibt genügend positive Nachrichten und die sind für Fans ebenso interessant.
Viele sehen dich als Medienprofi – aber was war die dümmste Medienfrage, die dir je gestellt wurde – und wie hast du innerlich darauf reagiert?
Da ich selbst in verschiedenen Sportarten tätig war, weiß ich inzwischen, wie schwer es ist, sich in unterschiedlichen Bereichen gut auszukennen. Daher würde ich heute sagen, dass es keine dummen Fragen gibt, sondern eher dumme Antworten oder eine schlechte Vorbereitung. Wenn jemand über eine Sportart berichten soll, die er nicht so gut kennt, dann braucht er eben auch Zeit, um sich einarbeiten zu können.
4. Du hast oft zwischen Sport, PR und Kommunikation gewechselt. Gibt es einen Moment, in dem du dachtest: „Ich mache das nicht nur beruflich, sondern weil es mich wirklich glücklich macht“? Wenn ja, welcher war das?
Ich habe fast immer PR, Kommunikation und Sport miteinander verbinden können. Und das ist nicht ohne Grund so: Ich liebe das, was ich tue. Ich habe häufiger das Angebot bekommen, die Geschäftsführung zu übernehmen. Doch ich habe immer dankend abgewunken. Ich habe einfach Spaß daran, mit Sportlern und Sportlerinnen im Bereich der Kommunikation zusammenzuarbeiten und sie mehr und mehr ins Rampenlicht zu rücken. Wenn ich dann am Ende spüre, dass sich das für diejenigen gelohnt hat, dann ist das für mich das größte Glück auf Erden. Gleiches gilt übrigens für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ich im Laufe meiner Tätigkeiten begleiten durfte. Es gibt nichts Schöneres für mich, als sie zu guten PR-Leuten zu machen.
5. Gab es einen Moment in deiner Laufbahn, in dem du gemerkt hast: „So wie die Leute mich von außen sehen, bin ich eigentlich gar nicht“ – und was wünschst du dir, würden Menschen stattdessen über dich verstehen?
Presseverantwortliche und Journalisten haben oft verschiedene Sichtweisen, weil sie Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Deshalb kommt es ab und zu vor, dass Journalisten glauben, Pressesprecher oder Kommunikationsverantwortliche würden ihnen nicht die Wahrheit sagen. Ein Lügner zu sein, passt ganz sicher nicht zu meiner Selbsteinschätzung. Aber gut, am Ende muss sich jeder selbst ein Bild machen – auch über mich. Ich kann grundsätzlich sagen, dass die gute Zusammenarbeit mit Journalisten für mich ganz weit oben steht.
6. Wenn du einen Song wählen müsstest, der dich auf dem Weg zur Arbeit am besten beschreibt – welcher wäre es und warum?
Das ist definitiv „So soll es bleiben“ von Ich + Ich. Ich habe es ja schon gesagt: Ich liebe meinen Beruf und werde durch diesen Song immer wieder daran erinnert, dass ich mir genau das für mein Leben gewünscht habe – und trotzdem gibt es immer noch Möglichkeiten, sich zu verändern. Das passiert bei mir auch gerade wieder mit meinem Wechsel zum Handball Sport Verein Hamburg in die 1. Handball-Bundesliga.
7. Du arbeitest mit vielen Sportlern zusammen. Gibt es etwas, das du von ihnen gelernt hast, das du vorher nie über dich selbst gedacht hättest?
Von Sportlern kann man sich die Zielstrebigkeit abschauen, mit der sie oft ihre Ziele verfolgen. Dabei sollte man nie vergessen: Sportlerinnen und Sportler können oft nur bis zu einem bestimmten Alter erfolgreich sein und ‚gutes‘ Geld verdienen. Insofern müssen sie versuchen, in dieser Zeit optimal zu wirtschaften.
8. In deiner Karriere hast du viele Veränderungen erlebt. Was war die mutigste Entscheidung, die du beruflich je getroffen hast – und wie hat sie dich geprägt?
Viele ist relativ. Ich denke, in der heutigen Zeit gibt es einige – vor allem junge – Menschen, die häufig ihre Jobs wechseln. Schwierig daran sind die Ortswechsel. Das betrifft ja nicht nur mich, sondern eventuell auch eine ganze Familie. Der Nachteil ist, man lässt immer wieder Freundschaften hinter sich. Aber es gibt auch Vorteile: Man lernt schnell, sich in der ‚neuen‘ Umgebung zurechtzufinden. Bei mir hat jeder Wechsel in der Nachbetrachtung einen Sinn gehabt und ist ‚Baustein‘ von dem, was ich jetzt mache.
9. Was würdest du einem jungen Menschen sagen, der in deine Fußstapfen im Bereich Medien & Kommunikation im Sport treten will – aber Zweifel hat?
Heutzutage gibt es unglaublich viele Menschen, die in diesem Bereich tätig werden wollen. Die Konkurrenz ist riesig. Wenn ich also Zweifel habe, sollte ich schauen, was besser zu mir passt und lieber den Platz für diejenigen frei lassen, die für diese Tätigkeit brennen.
10. Und zum Abschluss: Was machst du, wenn du mal gar nicht über Medien, Sport oder Kommunikation nachdenken willst? Gibt es ein Ritual oder Hobby, das dich total abschalten lässt?
Ganz ehrlich, ich kann mir noch gar nicht vorstellen, dass dieser Zeitpunkt kommt. Falls doch, werde ich die Zeit nutzen und ganz viel mit meiner Frau vereisen.