Lotta Röpcke: Die Frau, die sich nie zu schade war für den nächsten Schritt
Es gibt Spielerinnen, die man beobachtet – und es gibt Spielerinnen, denen man beim Wachsen zusieht. Lotta Röpcke gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Wer sie schon als Teenagerin bei ihrem Heimatverein HC Leipzig auf dem Feld stehen sah, ahnte: Diese junge Frau will mehr, als nur mitspielen. Vize-Europameisterin mit der U17, deutsche A-Jugendmeisterin, ausgezeichnet als „Nachwuchshoffnung weiblich“ – die Liste ihrer frühen Erfolge liest sich beeindruckend, und trotzdem hat sie nie den Eindruck vermittelt, dass ihr etwas in den Schoß gefallen wäre. Im Gegenteil: Wer mit Menschen spricht, die mit ihr gearbeitet haben, hört immer wieder dasselbe – Lotta hat einfach Bock zu arbeiten.
Heute trägt Lotta das Trikot der „Tussies“ – und man merkt schnell: Diese Kombination aus Ehrgeiz, Bodenständigkeit und Lust am nächsten Schritt passt perfekt zu Metzingen. Ich habe mit ihr gesprochen: über ihren Weg bis hierhin und das, was sie antreibt.
Lotta, mittlerweile bist du ja schon ein Weilchen bei den „Tussies“ und mittendrin in der Saison – wie fällt dein Fazit aus, wenn du auf die ersten Monate in Metzingen zurückblickst?
In der Vorbereitung habe ich viele neue Eindrücke bekommen und habe mich gut in die Mannschaft eingefunden. Wir entwickeln uns von Spiel zu Spiel weiter und ich denke wir haben noch viel Potenzial, welches wir noch nicht gezeigt haben.
Was hat dich am Ende überzeugt, ausgerechnet zu Metzingen zu wechseln – und war die Entscheidung, wie du selbst mal gesagt hast, wirklich so schwer wie erwartet?
Ich wollte mich einer neuen Herausforderung stellen und mich sportlich weiterentwickeln. Die guten Gespräche mit unserer Trainerin Miriam Hirsch haben mir von Anfang an ein gutes Gefühl gegeben, sodass mir die Entscheidung am Ende gar nicht so schwer gefallen ist. Außerdem kannte ich bereits ein paar Mädels der Mannschaft, was den Schritt natürlich zusätzlich erleichtert hat.
Du triffst hier auf einen Kader mit viel internationaler Erfahrung. Was lernst du gerade am meisten von den erfahreneren Kolleginnen im Rückraum?
Ich versuche vor allem, mir die Ruhe und Abgeklärtheit der erfahrenen Mädels abzuschauen und von ihnen zu lernen. Das hilft mir, mich selbst weiterzuentwickeln.
Deine Karriere begann beim HC Leipzig – deinem Heimatverein. Wie sehr hat dich diese Zeit geprägt, und was hast du von dort mitgenommen in den Profibereich?
Ich habe 13 Jahre in Leipzig gespielt und mit dem Verein sehr viel erlebt. Dort wurden mir nicht nur die Grundlagen beigebracht, sondern ich habe auch das Vertrauen bekommen, erste Erfahrungen in der 2. Liga zu sammeln. Diese Zeit hat mich sowohl sportlich als auch persönlich sehr geprägt.
2023 der große Schritt nach Oldenburg, direkt in die Bundesliga mit gerade mal 19 Jahren. Woran erinnerst du dich am liebsten aus dieser Zeit – und was war die größte Umstellung?
Für mich war das nicht nur der Schritt in die Bundesliga, sondern auch das erste Mal weg von Zuhause. Plötzlich war ich auf mich allein gestellt und habe meine Familie nicht mehr jeden Tag gesehen. Das war anfangs schon eine große Umstellung. Handballerisch musste ich mich vor allem an das höhere Tempo und die stärkere Körperlichkeit gewöhnen.
Dein Trainer in Oldenburg hat mal gesagt, im Rückraum brauche es „viel Timing, da passiert viel im Kopf“ – und dass sich das bei dir stetig verbessert hat. Wie hast du an dir gearbeitet, um dieses Spielverständnis zu entwickeln?
In Oldenburg haben wir sehr viel taktisch gearbeitet, was für mich anfangs noch ungewohnt war. Durch viele Gespräche, Videoanalysen und die Arbeit im Training habe ich mit der Zeit ein besseres Verständnis für verschiedene Spielsituationen bekommen.
Schon als Jugendliche warst du extrem erfolgreich – Vize-Europameisterin mit der U18, A-Jugendmeisterin mit Leipzig. Was hat dir dieser frühe Erfolg für dein Selbstvertrauen mitgegeben?
Diese Erfolge haben mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Gerade das Jahr 2021 war für mich etwas ganz Besonderes und hat mir gezeigt, was man mit harter Arbeit erreichen kann. Dadurch habe ich auch das Mindset entwickelt, immer an mich zu glauben und mir neue Ziele zu setzen.
Wie war das für dich, als du kurzfristig für die A-Nationalmannschaft nachnominiert wurdest? Beschreib uns diesen Moment.
Ehrlich gesagt hatte ich damit überhaupt nicht mehr gerechnet. Ich weiß noch genau, dass ich zu Hause in Leipzig mit meiner Mama und meiner Schwester essen war, als während der Vorspeise der Anruf kam. Am Abend habe ich direkt meine Tasche gepackt und vor Aufregung kaum geschlafen, weil es am nächsten Morgen schon mit dem Zug zum Team ging. Das war ein ganz besonderer Moment für mich.
Du hast gesagt, bei den Tussies willst du „mehr Verantwortung übernehmen“. Was bedeutet das für dich ganz konkret in dieser Saison?
Ich möchte eine wichtige Rolle im Team einnehmen, Verantwortung übernehmen und gerade in engen Spielen für die Mannschaft da sein. Dabei möchte ich dem Team mit meinen Stärken weiterhelfen.
Metzingen ist ein Verein mit großer Handball-Tradition und einer Fanszene, die für Rekord-Kulissen gesorgt hat. Spürst du diesen besonderen Spirit schon jetzt?
Da wir noch kein Heimspiel hatten, konnte ich die Fanszene bisher noch nicht in vollem Umfang erleben. Aber schon bei den Vorbereitungs- und Auswärtsspielen waren immer ein paar Fans dabei, die Stimmung gemacht haben. Deshalb freue ich mich umso mehr auf das erste Heimspiel und die Atmosphäre in der Halle.
Was sind deine persönlichen Ziele für die kommende Saison – sportlich, aber auch für deine eigene Entwicklung?
Mein Ziel ist es, mich in dieser Saison sportlich und persönlich weiterzuentwickeln, konstanter zu werden und immer mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich möchte meine Stärken bestmöglich ins Team einbringen, damit wir gemeinsam eine erfolgreiche Saison spielen können.
Wenn du nicht gerade auf dem Handballfeld stehst – wie sieht ein freier Tag für Lotta Röpcke aus?
An einem freien Tag schlafe ich gerne erstmal aus. Danach mache ich meistens etwas für die Uni oder schaue mir andere Sportarten und Handballspiele an. Ich unternehme gerne etwas mit meinen Teamkolleginnen, zum Beispiel einen Kaffee trinken, und telefoniere mit meiner Familie und meinem Freund. Abends lese ich gerne noch ein Buch.
Du hast gerade erst dein Abitur gemacht, bevor du den Sprung in die Bundesliga gewagt hast. Wie schaffst du es, Schule, Ausbildung oder Studium mit dem Leistungssport unter einen Hut zu bringen?
Ich bin ein sehr disziplinierter Mensch und habe schon früh gelernt, meinen Alltag gut zu strukturieren. Durch Schule und teilweise 2 Trainingseinheiten am Tag musste ich meine Zeit gut einteilen. Das hilft mir heute auch dabei, Studium und Leistungssport miteinander zu verbinden.
Gibt es ein Vorbild – auf oder neben dem Feld – das dich in deiner Karriere besonders inspiriert hat?
Mein Vorbild war schon immer meine große Schwester Lilli. Schon als kleines Kind habe ich zu ihr aufgeschaut und sie bewundert. Sie hatte es in ihrer Jugend nicht immer leicht und musste sich vieles erkämpfen. Besonders ihr Wille, nie aufzugeben und immer weiterzumachen, hat mich gesprägt und inspiriert.
Zum Schluss, Lotta: Eine Karriere im Leistungssport verläuft ja selten geradlinig – auch bei dir wird es sicher Phasen gegeben haben, die nicht leicht waren. Was hat dir in solchen Momenten geholfen, dranzubleiben und weiter an dich zu glauben?
Mir haben vor allem die Gespräche mit meiner Familie sehr geholfen, weil sie immer hinter mir steht und mir Rückhalt gibt. Seit letztem Jahr arbeite ich außerdem mit einer Sportpsychologin zusammen, die mir dabei hilft, mit schwierigen Phasen umzugehen, Dinge einzuordnen und weiter an mich zu glauben.