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Interviews

Phileas Daniel

20. August 2026 admin 5 Min. Lesezeit

Es gibt Spieler, die man nach dem Abpfiff sofort vergisst, und es gibt welche, die noch lange in Erinnerung bleiben – nicht nur wegen ihrer Tore, sondern wegen der Art, wie sie über ihren Sport sprechen. Phileas Daniel gehört für mich klar in die zweite Kategorie. Wer ihn bei den Eulen Ludwigshafen auf dem Feld beobachtet, sieht einen Spieler, der kämpft, der nachsetzt, der auch in aussichtslosen Situationen noch an den nächsten Ballgewinn glaubt. Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Diese Leidenschaft ist kein Trainingslager-Slogan, sondern kommt von irgendwo tief drin.
Ich habe mich mit Phileas unterhalten– kein steriles Presseinterview mit vorgefertigten Antworten, sondern ein echtes Gespräch. Über die Momente, die wehtun. Über die, die alles wert waren. Und darüber, wohin die Reise noch gehen soll. Herausgekommen ist ein Interview, das zeigt, warum dieser junge Mann auf und neben dem Feld so viele Sympathien gewinnt.

Phileas, wenn du an den Moment zurückdenkst, in dem du gemerkt hast „Handball wird mein Leben“ – gab’s den? Oder war das eher ein schleichender Prozess?

Diesen Moment gab es. Es war, als mich wer gefragt hat, was ich arbeite. Da meinte ich, ich spiele Handball. Er schaute entgeistert und fragte ob man damit Geld verdienen kann. Da war mir klar, wow das ist jetzt mein Beruf und wer möchte nicht sein Hobby zum Beruf machen?

Gibt es ein Spiel, das du am liebsten aus deinem Gedächtnis streichen würdest – und eines, das du für immer behalten möchtest?

Es gibt viele Spiele, die nicht so liefen wie man wollte, doch aus denen musst du lernen. Also würde ich jetzt expliziert keins streichen wollen. Doch natürlich gab es auch Momente an dem man am liebsten in den Erdboden versunken wäre. Und ein Spiel was ich für immer im Kopf behalten möchte, war mein erstes Länderspiel. Da waren ich und meine Familie unglaublich Stolz, dass ich diese Erfahrung machen durfte.

Wer war der Mensch, der am meisten daran geglaubt hat, dass aus dir mal ein Bundesligaspieler wird – und weiß diese Person eigentlich, wie viel dir das bedeutet hat?

Die Menschen waren auf jedenfall meine Familie, da diese mich von Anfang an unterstützt haben. Ich wollte damals als kleiner Junge schon Profi werden, doch wo ich von anderen dafür belächelt wurde, stand meine Familie hinter mir.

Was macht eigentlich mit dir, wenn die Halle nach einem Sieg tobt und du mittendrin stehst? Beschreib mir das mal so, wie du es wirklich fühlst, nicht wie man’s in Interviews sagt.

Da ich erst neu in die 2. Liga gekommen bin, hoffe ich auf ein Riesen Spektakel. Doch für mich ist es immer sehr besonders, weil ich es wie eine Wertschätzung sehe. Diese Leute kommen extra in die Halle um uns zu sehen und das ist einfach unglaublich. Früher war ich der der auf der Tribüne saß und Autogramme wollte nun ist es andersherum und das ist ein unbeschreibliches Gefühl von Stolz.

Jeder Sportler hat diese eine Nacht, in der er wach lag und an sich gezweifelt hat. Erinnerst du dich an deine?

Ja, diese gibt es oft. Die Kunst am Sportler sein ist es nicht nur sportlich stark zu sein, sondern auch mental. Dort habe ich noch viel zu arbeitet, doch eigentlich sollte man nicht zweifeln. Da alle mal angefangen haben, weil es ihnen Spaß gemacht hat. Nun können wir damit Geld verdienen, also dürfen wir den Spaß nicht verlieren. Zweifel kommen oft, doch die Kunst ist es damit so gut wie möglich umzugehen.

Wenn du dir deine Karriere in fünf Jahren vorstellst – ist da eher ein konkretes Bild in deinem Kopf, oder lässt du dich lieber überraschen?

So weit in die Zukunft zu schauen ist manchmal gut und manchmal sollte man es lassen. Natürlich wünsche ich mir in 5 Jahren in der Bundesliga zu spielen und eine große Rolle im Sport zu haben. Doch nun genieße ich erstmal die ersten Schritte in der 2. Liga und lasse alles erstmal auf mich wirken. Wie heißt es so schön, ein Schritt nach dem anderen.

Was würdest du dem Phileas von vor fünf Jahren sagen, wenn du könntest?

Ich würde ihm sagen, „Glaub an deine Ziele und habe Spaß an dem was du machst. Wenn du etwas machst dann richtig und mit 100%.“

Gibt’s außerhalb der Halle etwas, das dich genauso sehr erfüllt wie der Handball – etwas, das die Leute vielleicht nicht von dir wissen?

Ich spiele sehr gerne Golf, dort hat man sein Handy nicht in der Hand, ist weg vom Internet und man ist einfach allein mit seinen Gedanken. Ich spiele Golf gerne allein oder mit Freunden, um Spaß zu haben. Ein guter Freund sagt immer, „Es gibt keine schlechten Schläge. Man ist immer näher am Loch.“ und das beschreibt so ziemlich was mir daran so gefällt. Man scheitert nicht und es wird von den Medien so auseinander genommen. Man spielt einfach und geniest die Ruhe.

Wie gehst du eigentlich mit dem Druck um, wenn ein ganzes Team – und Tausende Fans – in einem entscheidenden Moment auf dich schauen?

Ich glaube, ich habe keinen Druck. Ich bin Jung. Ich bin froh in solche Situationen zu kommen, wo es um alles geht. Mir wurde mal gesagt, so wie die Kinder in der Halbzeit spielen mit so viel Spaß und Leichtigkeit, so sollte man Handball spielen. Spielst du so Handball ist es eine Freude wenn alle dir dabei zu schauen.

Wenn du in zwanzig Jahren zurückblickst: Woran willst du dich bei deiner Zeit bei den Eulen Ludwigshafen am meisten erinnern?

Ich möchte einfach anerkannt werden und so gut spielen, dass man sich an mich erinnert.